13.09.2016

Über ein Jahr lang haben Spezialisten in sieben Höhlen der bayerischen Alpen nach Tieren geforscht. Als Ehrengast war Frau Staatsministerin Ulrike Scharf MdL auf den Wendelstein gekommen, deren Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz das Projekt mit einem namhaften Betrag gefördert hat.

Nach den spektakulären Ergebnissen bezeichnete Staatsministerin Scharf MdL Höhlen als Schatzinseln der Biodiversität.

Insgesamt wurden über 13.000 Tiere gefunden und bestimmt. Unter der Koordination des Referenten für Biospeläologie des Verbandes der deutschen Höhlen und Karstforscher Stefan Zaenker beteiligten sich insgesamt 25 Höhlenforscher und 12 Fachleute zum Bestimmen der einzelnen Tierarten.
Unter den fast 200 gefundenen Arten befanden sich mehrere, die erstmals in Deutschland nachgewiesen werden konnten. Stefan Zaenker konnte dem staunenden Fachpublikum ebenfalls von mehreren Erstnachweisen für die deutschen Alpen und auch von Funden endemischer Arten, d.h. Arten, die weltweit nur in einem sehr kleinen, regionalen Verbreitungsgebiet vorkommen, berichten. Ein seltener und mikroskopisch kleiner Höhlen-Pseudoskorpion wurde erstmals seit 1966 wiedergefunden. Die Spielberghöhlen waren damals der einzige deutsche Fundort. Hier wurde die Art auch bei den aktuellen Untersuchungen gefunden, was für eine sehr große Beständigkeit in den unterirdischen Lebensräumen spricht.


Auch das neue Höhlentier des Jahres wurde auf dem Wendelstein vorgestellt. Stefan Zaenker präsentierte für 2017 die Vierfleck-Höhenschlupfwespe Diphyus quadripunctorius.

Die Tiere überwintern in großer Zahl in Naturhöhlen, Bergwerksstollen und Felsenkellern und stehen für eine große Zahl an Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind.


In der Wendelsteinhöhle informierte sich die Ministerin unter fachkundiger Leitung von Peter Hofmann , dem 2. Vorsitzenden des Vereins für Höhlenkunde München, vor Ort über die aufwändigen Arbeiten zum Projekt "Leben im Dunkel".
Am Beispiel der zoologischen Untersuchungen in der 573 Meter langen und 106 Meter tiefen Wendelsteinhöhle kann man sehr gut den Forschungsbedarf bezüglich der Höhlentiere erkennen. Die auf den ersten Blick unwirtlich wirkende Höhle ist, nach den Ergebnissen der Untersuchungen, idealer Lebensraum insbesondere für Tierarten die als Eiszeitrelikte gelten. Im Laufe des Projekts wurden hier unter der Regie von Höhlenforscher Peter Hofmann durch Handaufsammlungen und 3 kleine Bodenfallen über 1.900 Tiere gesammelt. Insgesamt konnten über 50 Tierarten nachgewiesen werden.

Die Spinnenförmige Schneemücke (Chionea araneoides), eine flügellose, winteraktive Mückenart, wurde in der Wendelsteinhöhle erstmals für die deutschen Alpen nachgewiesen. Sie war bisher in Deutschland nur aus dem Fichtelgebirge und dem Bayerischen Wald bekannt, wo sie kalte Blockhalden bewohnt. Der Springschwanz

Schaefferia sexoculata konnte erstmals für Deutschland gefunden werden. Die Art ist auch aus schweizer, österreichischen und englischen Höhlen bekannt. Ein weiterer Erstnachweis für Deutschland ist die Scheufliege Gymnomus soosi die bisher nur in Bosnien gefunden wurde.

"Alles in allem ein Projekt, das unsere Erwartungen weit übertroffen hat", so die Vorsitzende des Verbandes der deutschen Höhlen und Karstforscher e.V. Bärbel Vogel. "Gerade in Bezug auf die Biologie ist in den nächsten Jahren noch viel Neues aus Höhlen zu erwarten. Die ehrenamtliche Höhlenforschung kann vieles leisten, jedoch ohne die finanzieller Unterstützung des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz wäre ein solches Projekt nicht realisierbar gewesen."


Flyer zum Projekt

 

 

 

Fotos zum download
Höhlenwasserassel (Foto: Klaus Bogon)

Udo Kaiser in der Wendelsteinhöhle beim Fallen aufstellen (Foto: Peter Hofmann)

Raubmilbe frisst Springschwanz (Foto: Peter Hofmann)

Stefan Zaenker in der Wendelsteinhöhle bei der Feldarbeit (Foto: Peter Hofmann)


Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. VdHK


über uns:

Der VdHK ist die Dachorganisation der deutschen Höhlenforschung.
7 Landesverbände decken die Karstregionen Deutschland ab.
Insgesamt sind ca. 2.500 Höhlenforscher im VdHK ehrenamtlich tätig.
Der VdHK ist Mitglied im Deutschen Naturschutzring DNR,
in der European Speleologicla Federation F.S.E. und der
International Union of Speleology UIS sowie
dem European Environmental Bureau EEB. Das EEB ist die größte Dachorganisation europäischer Umweltschutzverbände, der VdHK arbeitet dort in den Bereichen Wasser und Biodiversität mit.

Höhlenforschung
Die Speläologie oder Höhlenforschung arbeitet in verschiedenen Forschungsfedern wie Vermessung, Geologie, Hydrologie, Biologie, Klimatologie, Paläontologie und Archäologie.
Der VdHK unterstützt Forschung, Weiterbildung, Information zu und Schutz von Höhlen und Karst sowie die Höhlenrettung. Alle Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich.

www.vdhk.de
www.hoehlentier.de
www.karstinstitut.org

 



 

19.07.2016

In diesem Jahr hat der VdHK die Möglichkeit erhalten im Programm des deutschen Naturschutztages in Magdeburg ein sogenanntes "offenes Forum" zu gestalten. Am Donnerstag, den 15.9.2016 ab 19.00 Uhr sind Kurzvorträge und Diskussionen geplant. Wer Projekte seines Höhlenvereins dort ausstellen möchte kann sich dazu an den Vorstand wenden.
Hier der Link zum Programm.

22.06.2016

Wir kannten Elmar Hammerschidt als begeisterten Höhlenforscher und Schauhöhlenbetreiber, der überaus kontaktfreudig, freundschaftlich und aufgeschlossen war. Er war auf allen Tagungen zugegen und in vielen Höhlenvereinen ein gern gesehener Gast. Die Dechenhöhle war sein Leben, über die er immer etwas Neues zu berichten wusste. Elmar war ein fester Bestandteil des VdHKs und er hat für die Höhlenforschung in Deutschland sehr viel geleistet.

Am 27. Juni 2016 ist Elmar verstorben. Wir werden seine lebhaften Erzählungen und seine herzliche Art sehr vermissen. Unsere Anteilnahme gilt seinen Angehörigen.

Die kirchliche Begräbnisfeier findet am 8. Juli um 9:30 in der Pfarrkirche in der Königstraße in Haan statt, anschließend um 10:30 ist die Beisetzung am katholischen Friedhof, Thienhauser Straße.

30.6.16 bi/gn

04.05.2016

in Bälde erscheint die Publikation 'Höhlen und Karst in Österreich'
Subskription bis 20.Juli 2016 zum Sonderpreis
Dank Uwe Brendel aus Salzburg, kann der Band zu gleichen Portokosten bestellt werden wie in Österreich.

Flyer   (überarbeitete Version - mit berichtigter Bestelladresse)

24.05.2016 gn/bv/lp

16.03.2016

Zusammen mit unserern Höhlenfreunden des VÖH trauert der VdHK um Günter Stummer, der am 09.03.2016 verstarb.

Günter hat sich als langjähriger Generalsekretär und Delegierter des Verbandes der Österreichischen Höhlenforscher nicht hoch genug einzuschätzende Verdienste um die Gründung der Europäischen Speläologischen Föderation erworben.

Er arbeitete bis zu seiner Pensionierung 2008 in der höhlenkundlichen Abteilung des Naturhistorischen Museums und hatte für alle Fragen und Ideen stehts ein offenes Ohr. Günter war eine der Stützen der  VdHK / VÖH Schulungswochen. Viele Höhlenforscher haben von seinem großen Wissen profitiert.

Und er war ein guter Freund.
Dank Dir Günter für Dein warmes, tiefes Höhlenherz!

Die Trauerfeier findet am 22.03.2016 um 12.00 Uhr in der Feuerhalle Raum II, Landstraßer Hauptstraße 4 a, 1110 Wien-Simmering statt.

16.03.16 bk/bv

 

04.03.2016

In den frühen Morgenstunden des 28. Februars 2016 verstarb Dr. Stefan Dahm, mit 54 Jahren, während eines Forschungsaufenthaltes in der Hirlatzhöhle in Oberösterreich, völlig unerwartet an den Folgen eines Herz-Kreislauf-Stillstandes.
Leider blieben alle sofort eingeleiteten Wiederbelebungsversuche seitens seiner Kameradinnen und Kameraden erfolglos. Er wurde noch am Abend des gleichen Tages, nach einer ruhig verlaufenen und reibungslosen Bergungsaktion, durch die österreichische Höhlenrettung aus der Höhle geborgen.

Wir trauern um einen unserer enthusiastischsten, erfahrensten und umsichtigsten Höhlenforscher. Er war bereits seit mehreren Jahren mit der Hirlatzhöhle vertraut und organisierte auch selbst Forschungsfahrten.
Als Mitglied des VdHK, des VÖH, des Höhlenvereins Hallstatt-Obertraun und des DAV Heidelberg mit der Höhlengruppe Excentriques war er bei vielen Höhlenfreunden und Höhlenforschern bekannt und beliebt.
Der Tod von Stefan Dahm bedrückt uns umso mehr, weil wir mit ihm einen lebenslustigen und hilfsbereiten Freund verlieren, der mit seinem Ehrgeiz und seinen Plänen seine Umgebung anzustecken wusste und der nun, so unerwartet, aus der Mitte seines Lebens gerissen wurde.
Stefan Dahm hinterlässt vier Kinder, eine Ehefrau und Familie, denen wir unser tiefstes Mitgefühl aussprechen.

Der Verband deutscher Höhlen- und Karstforscher
Die Sektion Heidelberg des Deutschen Alpenvereins
Die Höhlengruppe Excentriques

 

04.03.2016 ck

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