Am 9. Januar verstarb unser geschätzer österreichischer Kollege und Höhlenfreund Dr. Karl Mais in Wien nach langer Krankheit.
Erinnerungen an Dr.Karl Mais, Wien
von Peter Schneider:
Daß er ein feiner Mensch war, weiß jeder der ihn gekannt hat. Er war ein hervorragender Koch und hat gerne gegessen, dabei meist in geselliger Runde. Der Umgang mit ihm war für mich immer lehrreich und eine Bereicherung. Er hat vor schwerer körperlicher Arbeit und dem Tragen auch schwerster Lasten nie zurückgeschreckt. Es gelang ihm immer die jüngeren Höhlenforscher z.B. bei Ausgrabungen zu motivieren, wenn es einmal Probleme gab wie Sauwetter oder Tage ohne Fundergebnisse. Bewundert habe ich ihn wenn er mit seinem PKW plus Anhänger beladen mit Grabungsmaterial Wege befuhr auf denen Fußgänger Probleme haben. Nochmals, er war ein wirklich feiner Mensch.
von Dieter Mucke:
Enger wurde unser Kontakt, als ich im Frühjahr 1989 mit meiner Frau zu einer Expedition „Tuja Mujun“ in die Berge des östlichen Tienschan aufbrach und wir dort auch Karl wieder trafen. Russische und kirgisische Höhlenforscher hatten – gemeinsam mit der UIS – ein Forschungscamp zum Thema Hydrothermalkarst veranstaltet. Unser bunter Haufen aus sieben Nationen wurde in Arbeitsgruppen aufgeteilt, die morgens in ihre Einsatzgebiete gefahren wurden und nach getaner Arbeit am Abend das Zeltlager wieder zu Fuß erreichten. Wir bildeten mit Karl eine Dreier-Gruppe: er maß mit großem Einsatz und mancherlei Geräten Menge und Qualität des Tropfwassers in den Höhlen, wo immer er es in der Wüstenregion überhaupt fand; wir maßen Streichen und Fallen von Schichten und Störungen.
Ein Erlebnis werden wir nie vergessen: aus der Tiefe einer uns zur Untersuchung zugeteilten Höhle glimmte uns ein Augenpaar entgegen, ohne dass unsere Lampen dazu reichten den Inhaber der Augen zu identifizieren. So flüsterten wir uns – am Mundloch verharrend – Möglichkeiten zu wie Bär und Wolf, die uns verunsicherten. Da kamen schon Gedanken auf, vorsichtshalber von der Untersuchung dieser Höhle abzulassen, aber auch Befürchtungen über den Spott unserer Höhlenforscherkollegen, wenn wir über die nicht erfüllte Aufgabe beim abendlichen Lagerfeuer berichten würden … Da flüsterte Karl: „Wir sind drei – der ist nur einer. Wir stürzen uns mit großem Geschrei jetzt in die Höhle und erschrecken ihn so, dass er das Weite sucht!“ Gesagt, getan und die Anspannung löste sich in einem Gelächter, als ein alter Schafbock uns entgegen ins Freie stürmte. Wenn Karl eine Aufgabe übernommen hatte, so führte er sie zielstrebig zu Ende – das bleibt für uns vorbildlich.
von Franz Lindenmayr:
Charly habe ich erstmals bei den Grabungungen in der Schlenken-Durchgangshöhle kennen- und schätzen gelernt. Mehrere Tage verbrachten wir zusammen auf dem Riemannhaus im Steinernen Meer und im Rotwandlgebiet zu, um ein kleines Teilgebiet für das Salzburger Höhlenbuch Band 2 genauer zu erkunden. Er wußte unglaublich viel, bückte sich bei einer kleinen Wasserlacke und zeigte mir die kleinen Luftbläschen, die sich dort durch die Tätigkeit von Lebewesen bilden. Wir saßen stundenlang, zur Vorbereitung des Salzburger Höhlenbuchs Band 2 zusammen und kopierten Dias für die Veröffentlichung. Ích seh ihn noch am Grabe von Gustave Abel, als er Bilder von den Anwesenden bei der Trauerfeier machte. In Wien am Naturhistorischen Museum, wo er ja beruflich lange Jahre tätig war, habe ich ihn mal besucht. Auch dort strömte er so eine große Lebensfreude aus, die einfach ansteckend war. Er wußte genau, wo die Adresse war, wo man den "Höhlenwein" bekam, der von einem den Höhlenforschern zugeneigten Winzer abgefüllt wurde. 2001 gestaltete er mal ganz alleine ein Seminar über den Begriff der "Höhle" in der Rachelsperger Hütte beim Lamprechtsofen - ein wohl für alle unvergeßlich bleibendes Erlebnis, wo sich das schier unerschöpfliche Fachwissen von Charly zeigte. Mir ist immer noch das von ihm sehr lebendig geschilderte Bild von der bereits wieder verschwundenen Höhle in Slowenien im Gedächtnis, von der man heute nur noch den Boden sehen soll, der "Rest" ist schon weg.
Das ist vielleicht auch ein gutes Bild für uns Menschen und unsere Vergänglichkeit. Eines Tages sind wir alle mal "abgehobelt" und von uns bleiben, wenigstens für einige Zeit, nur noch ein paar Erinnerungen von anderen an uns übrig. Und wenn man einer wie der Charly gewesen ist, dann tut die Erinnerung richtig weh, weil er nun nicht mehr "da" ist.
Es bleibt nur noch, daran zu erinnern, daß es ein Leben vor dem Tode gibt. Der Charly hat das gewußt.
ver\ver\vor2002\2001salzhoehle\2001salzhoehle.htm
hoehlen\A\sb\stm\stmr.htm

