Schützenswert

Eine Höhle ist ein vielfältiges und empfindliches Naturphänomen, das als wissenschaftliches Archiv, als Lebensraum und nicht zuletzt aus ästhetischen Gründen unbedingt erhaltenswert ist.

Jeder, der schon einmal den Vergleich einer unberührten Höhle mit einer durch Vandalismus zerstörten Tropfsteinhöhle oder einer mit Müll verfüllten Schachthöhle gesehen hat, merkt daß Höhlenschutz notwendig ist. Karsthöhlen sind keine isolierten Gebilde, sondern Bestandteil großer Systeme die in den Wasserkreislauf eingebunden sind. Mülleinträge und organische Abfälle können mit dem Sickerwasser sehr schnell und nahezu ungefiltert in das Grundwasser gelangen und dort zur Verunreinigung ganzer Trinkwassergebiete führen. Auch das Ausbringen von Düngemitteln oder Pestiziden auf landwirtschaftlich genutzten Flächen in Karstgebieten, ist aus diesem Grund sehr problematisch.

Zum Höhlenschutz gehört natürlich auch der Schutz der Höhle als Biotop. Daher werden in der Fledermausschutzzeit vom 01. Oktober bis 31. März keine Höhlenbefahrungen in Winterquartieren durchgeführt und sind laut Bundesnaturschutzgesetz §39 Absatz 6  generell verboten.

Auf der Hauptversammlung am 23. Mai 1998 in Gerolstein/Eifel hat der VdHK Ethik-Richtlinien und den Forderungskatalog zu kommerziellem Höhlentrekking zum Schutz von Höhlen und anderen Karsterscheinungen beschlossen, da Karsterscheinungen - und insbesondere Höhlen mit ihrem Inhalt - verschiedenen Gefährdungen unterliegen:

  • Totale oder teilweise Zerstörung durch Rohstoffgewinnung oder Baumaßnahmen.
  • Eintrag von Schadstoffen durch natürliche Vorgänge oder künstliche Deponierung.
  • Überfrequentierung durch Besucher.
  • Raubgrabungen nach archäologischen, paläontologischen oder mineralogischen Funden.

Es gehört zur Ethik der organisierten Höhlenforschung in Deutschland, Maßnahmen gegen jede dieser Gefährdungsformen zu ergreifen, mit der Zielsetzung eines möglichst unveränderten Erhaltes von Karsterscheinungen und zur Abwehr zusätzlicher Reglementierungen. Dazu zählt ein verantwortlicher und respektvoller Umgang bei der Erforschung und beim Besuch von Karsterscheinungen/Höhlen, der sich weltweit in folgenden Verhaltensweisen manifestiert:

  • Beachtung der gesetzlichen Vorschriften, Besitzerrechte und Rücksichtnahme auf andere Beteiligte (Anwohner, örtliche Höhlenforscher). Die Arbeit von Höhlenforschern soll respektiert werden. Vor Aufnahme von Forschungsarbeiten in einem bestimmten Objekt sollen sich andere Höhlenforscher genau über vorherige oder derzeitige Arbeiten informieren, die von den dort tätigen Höhlenforschern durchgeführt werden, um sich nicht ohne gegenseitige Absprache in deren laufende Projekte einzumischen.
  • Weiterbildung im Hinblick auf richtiges Verhalten im Sinne des Natur- und Denkmalschutzes.
  • Anwendung schonender Befahrungsmethoden (z.B. Elektrolicht, vermeiden von Zerstörung oder Verschmutzung von Speleothemen, Verzicht auf Lärm, Verzicht auf Biwaks in kleinen Höhlen, keine unnötigen Einbauten bzw. ihre Entfernung nach der Erforschung, kein Zurücklassen von Abfällen, keine Massenbegehungen von Höhlen usw.).
  • Anwendung schonender Erforschungsmethoden (keine oder unauffällige Meßpunkte, ggf. Verzicht auf die Dokumentation sehr fragiler Bereiche, Fortsetzungssuche unter Beachtung der archäologischen und paläontologischen Situation usw.). Motto: Nimm nichts mit, laß nichts zurück, zerstöre nichts und schlag nichts tot.
  • Grundsätzlicher Verzicht auf Winterbefahrungen in Fledermauswinterquartieren.
  • Kontrolle über die Befahrungsfrequenzen durch Zugangsregelungen mit dem Besitzer bzw. durch Verschluß gefährdeter Höhlen.
  • Einflußnahme auf schädigende Vorgänge in Karstgebieten bzw. im Umfeld von Höhlen (z.B. Überdüngung, Deponieprojekte, Abbauvorhaben usw.).
  • Öffentlichkeitsarbeit und Abfassung von Publikationen unter den Gesichtspunkten des Karst/Höhlenschutzes (z.B. keine exakten Lageangaben bei gefährdeten Höhlen) und einer fachlich kompetenten Information (z.B. keine persönliche Selbstdarstellung in Abenteuerberichten).
  • Bei einer begründeten Umgestaltung von Höhlen für kommerzielle Zwecke muß die Forderung einer nachhaltigen Nutzung erfüllt sein.