Pressemitteilung zum World Clean Up Day 2020 - Aktion „Saubere Unterwelt“

Abfall und Altlasten aller Arten finden sich leider auch untertage. Höhlenforscher in ganz Deutschland säubern bei ihren Touren Höhlen von achtlos hinterlassenen Müll.
Darauf will der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. zum Internationalen Clean Up Day am 19.09.2020 aufmerksam machen.

Auf Grund der Corona Pandemie konnten in diesem Jahr weniger Projekte umgesetzt werden. Drei Projekte sollen exemplarisch für die Aktion saubere Unterwelt vorgestellt werden:

 

Was lange währt im Harz

Seit 30 Jahren findet eine Säuberungsaktion der Arbeitsgemeinschaft Karstkunde Harz e.V.  in der Jettenhöhle bei Düna im Südharz statt. Der jeweils gesammelte Müll in den letzten 10 Jahren ist kontinuierlich weniger geworden, sicherlich auch ein Erfolg dieser Aktionen! Wo kein Müll liegt, ist die Hemmschwelle etwas wegzuwerfen größer. Früher waren es 2 bis 3 große Müllsäcke voll, in diesem Jahr nicht mal eine Tragetasche.

Bei einer weiteren Befahrung wurde eine kleinere Menge Munition gefunden, nach Rücksprache mit den Behörden geborgen und vor der Höhle der örtlichen Polizei übergeben.
 
Ansprechpartner der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V.
Siegfried Wielert: Swielert[at]t-online.de, 0170 58 03 179

 

Kleine Aktion große Wirkung in Baden-Württemberg

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Stuttgart e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg e.V.  haben sich um unschöne Hinterlassenschaften am Ende eines Teststollens in Schenkenzell Winterhaldenhof gekümmert. Geborgen wurden 12 Säcke mit hauptsächlich Zivilisationsmüll wie Flaschen, Dosen, Plastikabfall und Elektroschrott.
Seit mehreren Jahren war durch Fledermaus-Winterquartierkontrollen bekannt, dass sich in dem Stollen Müllablagerungen befanden. Da es sich auch um ein wichtiges Quartier für Salamander und deren Larven handelt, bestand dringender Handlungsbedarf. In früheren Jahren wurden bis zu 40 Tiere gezählt. Der Besitzer des Stollens unterstützte die Aktion. Vier Erwachsene und zwei Kinder halfen mit, den Müll aus dem Stollen zu tragen, zu sortieren und zu entsorgen. Zusätzliche Hilfe erhielt die kleine Gruppe vom Besitzer eines nahe gelegenen Hotels. Dieser erlaubte die Entsorgung eines Großteiles des Mülls über seine Müllcontainer. Die Aktion war ein voller Erfolg. Die Müllablagerungen konnten vollständig entfernt werden. Durch den guten Kontakt zum Stollenbesitzer und dem Hotelbesitzer wurden zwei potenzielle Fledermauswochenstuben von Zwergfledermaus und Langohrfledermaus erkannt.
 
Ansprechpartnerin der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg e.V.
Daniela Schmieder: daniela.schmieder[at]gmx.de, 01625410980

 

Riesige Leistung in Bayern

Vor 2 Wochen wurden die letzten Hinterlassenschaften der Rettungsaktion 2014 aus dem Riesending gezerrt. Nach 6 Jahren mühsamer Arbeit mit wechselnden Teams ist damit die Säuberung der Höhle abgeschlossen.

Von 2015-2020 in je 5-10 Tagen pro Jahr wurden ca. 1500-2000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet. Beteiligt waren Höhlenforscher vorwiegend aus der Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt e.V., der Sektion Bern der Schweizer Gesellschaft für Höhlenforschung, weitere Höhlenforscher aus ganz Deutschland, Tschechien und England sowie Höhlenretter der Bergwacht Bayern.

Um in die tiefen Teile vorzudringen waren Biwaktouren bis zu 6 Tagen Länge nötig. Oberhalb 300 Meter Tiefe konnte mit Unterstützung einer Seilwinde der Bergwacht Bayern die Arbeit deutlich erleichtert werden, diese Aktion wurde gleich noch als erfolgreiche Rettungsübung für die Höhlenrettung der Bergwacht verwendet. In weiteren Tagestouren vom Stöhrhaus wurden Strecken saniert und der Müll händisch nach oben befördert.  
Ca. 60-70 Säcke Müll wie Essensreste, Plastikverpackungen, aber auch Bohrmaschinen, Akkus und medizinisches Material wurden geborgen, sortiert und entsorgt. Intakte Teile von persönlicher Ausrüstung konnten zum Teil ihren Besitzern zurückgegeben werden.

Ansprechpartner der Arge Bad Cannstatt e.V.:
Ulrich Meyer, ulithecaver[at]yahoo.de
Ansprechpartner Bergwacht Freilassing Höhlenrettung
Rudi Hiebl, rudi.hiebl[at]web.de

 

Mit der „Aktion Saubere Unterwelt“ will der VdHK die Öffentlichkeit für den fragilen Lebensraum Höhle sensibilisieren. Unrat und Gefahrenstoffe in Höhlen verunreinigen nicht nur das Grundwasser und ggf. das Trinkwasser, sondern auch den Lebensraum der Fledermäuse und anderer Höhlentiere. Dazu reicht es bereits aus, Senken mit Bauschutt zu verfüllen. Tropfsteine und Kleinformen können ebenfalls unwiederbringlich zerstört werden.

Deshalb bitte sauber bleiben – auch im Untergrund!
Weitere Informationen unter www.hoehlentier.de und www.vdhk.de

Für Fragen steht Ihnen die VdHK Vorsitzende Bärbel Vogel
unter vorsitz[at]vdhk.de
und VdHK Referent für Höhlenschutz Dominik Fröhlich
domifroehlich[at]gmail.com
gerne zur Verfügung.

Die Fotos können unter
https://www.vdhk.de/fileadmin/pdf/news/2020/PM-Saubere-Unterwelt-2020.zip
heruntergeladen werden.

Die Pressemitteilung als PDF

Jettenhöhle, Munitionsfund, Jörg Fischer von der Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. Foto: Salvatore Bologna

Stollenreinigung Schenkenzell Foto: Daniela Schmieder

Salamander vor der Müllablagerung Foto: Wolfgang Strittmatter (Arge Höhle und Karst Stuttgart e.V.)

Transport der Schweizer Trage von Biwak 4 aus 900 m Tiefe, Martin Achtman und Michel Bösch, Foto: Ulrich Meyer

Peter Hogger beim Mülltransport in einer Tiefe von 300 Meter Foto: Andreas Wolf

Beim Eingang des Riesending: Uli Mayer, Stefan Bauhofer, Wolfgang Ziillig, Jiri Vocac, Florian Schwarz, Marcus Preissner Foto: Andreas Wolf

Schorsch Wimmer beim Sortieren im Depot Mitterfelden der Bergwachtbereitschaft Freilassing, Foto: Andreas Wolf