Gestein des Jahres

Gestein des Jahres 2022: Gips und Anhydrit

Das „Gestein des Jahres“ wird seit 2007 von einem Fachkuratorium unter Federführung des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler e. V. (BDG) ausgewählt. Gips und Anhydrit sind nicht nur ein beliebter Baustoff, sondern auch Ausgangsgesteine zahlreicher Geotope, so das Fachkuratorium zur Auswahl des Gesteins des Jahres. Besonders hoben die Geowissenschaftler*innen die Situation in der Gipskarstlandschaft Südharz hervor: „Magerrasen, Kalkbuchenwälder, Gipssteilhänge, Felsfluren, Quellsümpfe, wassergefüllte Erdfälle, Bachauenwälder, um nur einige zu nennen, bilden unterschiedlichste und artenreiche Lebensräume. In spektakulärer Weise hängen in der Barbarossahöhle am Kyffhäuser in Thüringen große Lappen von Anhydrit von Decken und Wänden“, heißt es in der Begründung.

Gips ist in der Baubranche ein viel genutzter Rohstoff für den Trockeninnenausbau (Gipskartonplatten, Estriche, Putze) und als Beimischung für die Herstellung von Zement. Jährlich werden in Deutschland rund zehn Millionen Tonnen Gips produziert, wovon 45 % aus dem Naturgipsabbau in Steinbrüchen und 55 % aus REA-Gips stammen. REA-Gips entsteht als Nebenprodukt in Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA) von Kohlekraftwerken. Mit dem vom Bundestag beschlossenen Kohleausstieg fällt langfristig REA-Gips weg. Dadurch steigt der Druck auf die Naturgipsreserven durch die Gipsindustrie. Behördlicher und verbandlicher
Naturschutz, ebenso renommierte nationale und internationale Wissenschaftler*innen, sehen im Abbau von Naturgips allerdings eine große Bedrohung für einzigartige Ökosysteme. Der Präsident der Internationalen Union der Speläologie Dr. George Veni kritisierte unlängst die Pläne für neue Abbauflächen unter Verweis auf die weltweite Einzigartigkeit der Südharzer Gipskarstlandschaft scharf.

Ein Bündnis zivilgesellschaftlichen Organisationen forderte bereits im Herbst 2021 die neue Bundesregierung auf, bis 2045 aus dem Naturgipsabbau auszusteigen und ab sofort keine Genehmigungen mehr für neue Abbauflächen zu erteilen. In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sich die Verbände GRÜNE LIGA, Naturschutzbund (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Verband deutscher Karst- und Höhlenforscher (VdHK) und die Initiative Architects4Future (A4F) für den Erhalt seltener Naturlandschaften und ein grundsätzliches Umdenken im Baubereich aus. Weiteres dazu unter "Gipskarst im Harz bedroht".

Weitere Informationen zum Gestein des Jahres:
Geowissenschaftliche Mitteilungen - GMIT 86: „Gestein des Jahres 2022 sind Gips- und Anhydritstein“ ab Seite 25 ff.
https://e-docs.geo-leo.de/handle/11858/9617

https://geoberuf.de/der-bdg/gestein-des-jahres

flyer und poster

Gipskarst in Harz bedroht

Am Rande des Harzes liegt das bedeutendste Gipskarstgebiet Europas. Die Gipskarstlandschaft Südharz erstreckt sich über Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Aufgrund der Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen ist sie ein wichtiges Refugium vieler bedrohter Pflanzen- und Tierarten. Orchideenreiche Wälder und feuchte Schluchten wechseln sich mit Kleingewässern und Mooren, seltenen Felsfluren, Trockenrasen, Streuobstwiesen und Höhlenbiotopen ab. Ein Kleinod des Naturschutzes – vor Zehntausenden von Jahren entstanden und einzigartig.

Doch dieses und weitere Gipskarstgebiete sind von Abbau bedroht!

Umweltverbände fordern in Deutschland einen mittelfristigen Ausstieg aus dem Naturgipsabbau in Deutschland bis 2045 und keine Genehmigung neuer Abbauflächen. In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sich die Bundesverbände GRÜNE LIGA, Naturschutzbund (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sowie der Verband deutscher Karst- und Höhlenforscher (VdHK) und die Initiative Architects for Future (A4F) für ein grundsätzliches Umdenken im Baubereich aus.

Pressemeldung

Positionspapier