Schutzgebiete und Geoparks

Geschützter Gipskarst im Südharz akut bedroht

Probebohrungen in Schutzgebieten

September 2024
Es wird bekannt, dass der Gipskonzern Knauf plant, sieben Probebohrungen im Südharzer Gipskarst mitten im Biosphärenreseravat Karstlandschaft Südharz durchführen. Die geplanten Bohrungen liegen in FFH-Gebieten sowie Naturschutzgebieten. Bei erfolgreicher Gipsprospektion wäre die Zerstörung von Kernflächen des Biosphärenreservats vorprogrammiert. Trotz Eilantrag des BUND Sachsen-Anhalt gegen diese Planung treibt Knauf die ersten Bohrungen voran.

Februar 2025
Auf die Beschwerde des BUND hat letztlich das Oberverwaltungsgericht des Landes Sachsen-Anhalt die Bohrungen gestoppt, da sie eindeutig der Vorbereitung des Gipsabbaus dienen, sofern sich die Lagerstätte als wirtschaftlich abbaubar herausstellen würde. Dieser Abbau werde werde nach Einschätzung des Gerichts voraussichtlich zu einer mindestens teilweisen Zerstörung des geschützten Gebiets führen und sei daher in diesen Gebieten nicht zulässig.

Mai 2026
Die Pläne für den Gipsabbau im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz sind durch eine aktuelle Entscheidung des Koalitionsausschusses der Regierung in Magdeburg vorerst vom Tisch. Im neuen Landesentwicklungsplan sollen die betroffenen Flächen bei Breitungen als raumordnerisches Vorranggebiet für Naturschutz erhalten bleiben, anstatt als nutzungsfreie “Weißfläche“ künftig für die Gipsindustrie freigegeben werden zu können.

Der Preis für diesen Kompromiss ist hoch. Die Gipsindustrie wird an anderen Orten den Abbau ausweiten bzw. wieder aufnehmen. In Niedersachsen besteht aktuell die Gefahr, dass der sogenannte Gipsfrieden aufgekündigt wird, auch hier sind Schutzgebiete betroffen. Ähnlich ist es in Thüringen. Für die Rückgabe der geplanten Weißfläche an den Naturschutz wurden andere Gebiete geopfert, die ursprünglich von landwirtschaftlich genutzten Gebieten in die Obhut des Naturschutzes übergehen sollten. Das Gebiet bei Breitungen war im wahrsten Sinne des Wortes ein Bauernopfer.

Juni 2026

Das Thüringer Oberverwaltungsgericht lehnte den Antrag des Gipsabbauunternehmens Casea ab, die Verordnung über den Naturpark Südharz für unwirksam zu erklären. Die Verordnung verbietet es, Bodenschätze oder Bodenbestandteile oberirdisch abzubauen oder abgebautes Gestein oberirdisch abzulagern. Wo die Regionalplanung dem Bergbau einen Vorrang eingeräumt, ist ein Abbau im Naturpark allerdings weiter möglich. 

Es gibt also immer noch genug zu tun im Gipskarst!

Der VdHK hat eine Resolution gegen den Raubbau in Schutzgebieten und für eine Ausweisung der Gipskarstlandschaft als UNESCO-Welterbe an die entsprechenden Behördenvertreter als offenen Brief versendet. Unterstützerschreiben aus aller Welt sowie weitere Informationen finden Sie unten.

Prof. Dr. Stephan Kempe: "Gips- und Anhydritkarst in Deutschland"

VdHK-Wintervortragsreihe


Am 10.12.2024 um 20:00 Uhr startet die VdHK-Wintervortragsreihe mit Prof. Dr. Stephan Kempe,
der zu "Gips- und Anhydritkarst in Deutschland" referieren wird. 
Der Vortrag ist dann jeder Zeit im VdHK-YouTube Kanal abrufbar.

Weitere Infos zum Vortrag https://www.vdhk.de/.../pdf/news/2024/Gips_in_D_St_Kempe.pdf
 

VdHK-Resolution zum Schutz der Karstlandschaft im Südharz

VdHK-Resolution zum Schutz der Karstlandschaft im Südharz
English version 
Wenn Sie die Resolution mitzeichnen wollen, schicken Sie bitte eine kurze Nachricht mit Name und Funktion
an Bärbel Vogel.
Unterstützer der Resolution zum Schutz der Karstlandschaft Südharz
- Christine Reimann, Mitglied im Kreistag Mansfeld-Südharz, Sprecherin LAG "Ländliche Räume" 
- Doris Seibt, NABU Vorsitzende des Landkreises Mansfeld-Südharz
- Wolfgang Aldag, Mitglied im Landtag von Sachsen-Anhalt und NABU-Mitglied Halle-Saalekreis 
- Mitgliderversammlung des Deutschen Naturschutzrings DNR
- Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) 
- Reiner Kretschmann, Mitglied im Kreistrag Mansfeld-Südharz
- Nico Herning, Südharz
- Landesverband des Naturfreunde Sachsen-Anhalt e.V.
- Dagmar Schreiber, Edersleben, BUND-Kreisgruppe Mansfeld-Südharz
- Sabine Leisten, Sangerhausen, Sprecherin BUND Kreisgruppe Mansfeld-Südharz
- Winfried Leisten, Sangerhausen, BUND Kreisgruppe Mansfeld-Südharz

Stellungnahmen und Dokumente

Wandern durch bedrohten Gipskarst

Wanderführer durch den Gipskarst des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz

Abhandlungen zur Karst- und Höhlenkunde Heft 40 
Karst und Höhlen des Südharzes 
247 Seiten, als Buch erhältlich für 20,- € über http://argekh.net/mainnav/startseite.html

 

Weitere Infos auch auf www.karstwanderweg.de

Zum Ausstieg des Gipsabbaus in Deutschland bis 2045

Am Rande des Harzes liegt das bedeutendste Gipskarstgebiet Europas. Die Gipskarstlandschaft Südharz erstreckt sich über Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Aufgrund der Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen ist sie ein wichtiges Refugium vieler bedrohter Pflanzen- und Tierarten. Orchideenreiche Wälder und feuchte Schluchten wechseln sich mit Kleingewässern und Mooren, seltenen Felsfluren, Trockenrasen, Streuobstwiesen und Höhlenbiotopen ab. Ein Kleinod des Naturschutzes – vor Zehntausenden von Jahren entstanden und einzigartig.
Doch dieses und weitere Gipskarstgebiete sind von Abbau bedroht!
GRÜNE LIGA Bericht:  Gips - Rohstoff und Lebensraum
GRÜNE LIGA YouTube Kurzfilm Gips - Rohstoff und Lebensraum

Forderungen der Umweltverbände zum Schutz der Gipslandschaft

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), Grüne Liga e.V. und der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. (VdHK) warnen nachdrücklich vor einem Abbau von Gips in einzigartigen Naturräumen und fordern den Einsatz von mehr Recyclinggips, Erschließung weiterer Sekundärgipsquellen, Exportstopp für Naturgips, effizienterer Einsatz und die Verwendung von Ersatzstoffen.

Pressemeldung vom 26.10.2022

Zum Ausstieg des Gipsabbaus in Deutschland bis 2045 und gegen Genehmigung neuer Abbauflächen sprechen sich in einem gemeinsamen Positionspapier  die Bundesverbände GRÜNE LIGA, Naturschutzbund (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sowie der Verband deutscher Karst- und Höhlenforscher (VdHK) und die Initiative Architects for Future (A4F) für ein grundsätzliches Umdenken im Baubereich aus.

Positionspapier zum Ausstieg aus dem Naturgipsabbau in Deutschland bis 2045

Pressemeldung 

 

Literaturverzeichnis

Südharz bei Karstwanderweg.de
Protected areas of rare gypsum karst in Germany under threat - UIS Bulletin Dez. 2024